Skulpturen und Statuen
In allen Kulturkreisen fungieren Skulpturen und Statuen als Kunstwerke
und/oder Denkmäler. Fast jede bedeutsame Stadt auf dem Globus hat gleich mehrere in Stein gehauene Werke, die nicht
selten zu den hiesigen Sehenswürdigkeiten zählen. So kann eine Statue ein Aushängeschild für Kultur, Geschichte und
Kunst gleichermaßen sein. In den Statuen und Denkmälern dieser Welt spiegeln sich Zeitgeist, Idealismus und
Handwerkskunst gleichermaßen wieder.
Statuen werden meist in einem mehr oder weniger naturalistischem Stil
gefertigt. Das heißt, dass das Hauptaugenmerk meist auf Originalgetreue liegt. Selten ist eine Statue besonders
abstrakt oder expressionistisch. Solches kann man schon sehr viel eher bei Skulpturen antreffen. Nicht selten
füllen solche abstrakten Skulpturen ganze Ausstellungen. Statuen hingegen sind, schon allein aufgrund ihrer
Ausmaße, meist nur an ihren angestammten Plätzen zu finden und werden kaum in irgendeinem Museum
gastieren.
Im Grunde genommen lässt sich sagen, dass bei Skulpturen meist der
künstlerische Ausdruck im Vordergrund steht. Entsprechend mannigfaltig können die Darstellungen in Stil und
Farbmitteln variieren. Statuen hingegen sind zwar unbestreitbar auch Kunstwerke, verlangen sie doch
handwerkliches Geschick und Sinn für Proportionen ab. Jedoch steht dies eher selten im Vordergrund. Statuen
sind vordergründig Denkmäler und Lobpreisungen auf gewisse Personen. Nicht selten handelt es sich dabei um
politische Führer. Viele Diktatoren beispielsweise ließen sich schon zu Lebzeiten Statuen errichten, um ihre
Macht zu propagieren (man denke an Saddam Hussein). Es ist also leider nicht selten so, dass Statuen – so schön
sie auch anzuschauen sind – im Rahmen von Propaganda und Machtanspruch missbraucht werden.
Natürlich haben solche Denkmäler, wie jenes von Immanuel Kant
beispielsweise, die großen Freigeistern und Aufklärern gewidmet sind, eine Berechtigung. Erinnern sie doch an
Personen, deren Botschaften keinesfalls vergessen werde sollten. Doch bleibt ehrlich gesagt schon ein fader
Beigeschmack, wenn man sich die heutige Wirklichkeit betrachtet und erkennen muss, dass jene Botschaften von
Kant, Schweitzer und Goethe noch lange nicht in dem Maße ins kollektive Bewusstsein gesickert sind, wie sie
eigentlich sollten. Stattdessen kommt es hinsichtlich unserer heutigen Kultur fasst so vor, als ob Verdummung
und Banalität ein Revival erleben. Auf wie viel gesellschaftlichem Fundament diese Statuen fußen, ist also auch
bei jenen Denkmälern, die an bewunderungswürdige Leute erinnern, leider fragwürdig.
In diesem Zusammenhang drängt sich auch ein aktuelles Beispiel auf. So
will ausgerechnet die dortige CDU Rio Reiser in seinem Geburtsort ein Denkmal stiften. Ironie? Dass Reisers
Botschaften – und das obwohl sie ungleich zeitgenössischer als jene Goethes oder Kants waren – auch nicht
wirklich ernst genommen werden, sieht man ja mit Leichtigkeit. Liegt der Wert eines entsprechenden Denkmals
also wirklich nur im Auge des Betrachters?
Denken Sie darüber nach.
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